Ägypten Geschichte mit rund 5000 Jahren

Vorgeschichte und Ägypten der Pharaonen (bis 330 vor Christus)

Kaum ein anderes Land hat eine derart lange Geschichte wie Ägypten, gemessen an der Besiedlung durch Menschen. Die ersten Spuren einer sesshaften Besiedlung Ägyptens durch den Menschen datieren auf dem Zeitraum 3.500 – 3.000 vor Christus und stammen von den Uferregionen des Nils. Funde aus dieser Zeit lassen den Schluss auf prähistorische Siedlungen am Nil zu, die von ehemaligen Jägern und Sammlern errichtet wurden und die Grundlage für sesshaften Ackerbau und Viehzucht im damaligen Ägypten bildeten.

Schon relativ bald entwickelte sich am Nil eine der ersten Hochkulturen der Menschheit, die in Ägypten im Kult um den Pharao und dem Bau der Pyramiden gipfelte. Wie jede andere Hochkultur, erlebte auch Ägypten einen ständigen Wechsel zwischen Höhen und Tiefen, wobei das endgültige Ende der Pharaonen und des Ägyptens der Antike erst wenige Jahrhunderte vor der Zeitenwende durch die Römer eingeläutet wurde. Historiker bezeichnen die Hochphasen im Ägypten der Pharaonen als Altes Reich, Mittleres Reich und Neues Reich, in denen die politische und religiöse Macht alleine beim jeweils regierenden Pharao lag. Die Tiefphasen, in denen der Einfluss der Pharaonen vergleichsweise gering war, werden dagegen als Zwischenzeiten bzw. zum Ende hin als Spätzeit bezeichnet. Das vorchristliche Ägypten lässt sich daher in folgende Epochen einteilen:

Frühzeit der 1. und 2. Dynastie von 3.100 – 2.670 vor Christus
Altes Reich der 3. – 6. Dynastie von 2.670 – 2.150 v. Chr.
Erste Zwischenzeit der 7. – 11. Dynastie von 2.150 – 2.040 v. Chr.
Mittleres Reich der 11. – 13. Dynastie von 2.040 – 1.650 v. Chr.
Zweite Zwischenzeit der 14. – 17. Dynastie von 1.650 – 1.550 v. Chr.
Neues Reich der 18. – 20. Dynastie von 1.550 – 1.070 v. Chr.
Dritte Zwischenzeit der 21. – 25. Dynastie von 1.070 – 664 v. Chr.
Spätzeit der 26. – 31. Dynastie von 664 – 330 v. Chr.

Während die neuzeitlichen Titulierungen der Epochen im Ägypten der Pharaonen auf Historiker zurückgeht, verdanken die Dynastien ihre zeitliche Einteilung dem altägyptischen Priester Manetho, der diese im 3. Jahrhundert vor Christus verfasste.


Griechisch-Römische Epoche (332 v. Chr. – 639 n. Chr.)

Als griechisch-römische Epoche wird in Ägypten die Zeit von 332 v. Chr. bis 639 nach Christus bezeichnet. Innerhalb dieser Zeitspanne ergibt sich mit der Griechischen Zeit unter Alexander dem Großen sowie später den Ptolemäern (332 – 30 v. Chr.), der Römischen Zeit mit Ägypten als Provinz des Römischen Reiches (30 v. Chr. – 395 n. Chr.) und der Byzantinischen Zeit mit Ägypten als Provinz des Oströmischen Reiches (395 – 639) eine erneute Unterteilung. Der Abschied von den Pharaonen und den damit verbundenen Kulturen und Traditionen erfolgte im Ägypten um die Zeitenwende auf Raten. Während sich die Herrscher der Ptolemäer weiterhin Pharao nannten und sich die traditionelle Architektur des Alten Ägyptens auch noch bei den Römern in den Tempelbauten am Nil wiederfand, verabschiedete sich Ägypten unter der byzantinischen Herrschaft endgültig von Pharaonen, Pyramiden, Tempeln und Hieroglyphen. Stattdessen hielten die koptischen Christen Einzug nach Ägypten, wo sie auch heute noch eine Minderheit unter der Bevölkerung stellen.


Arabisch-Islamisches Mittelalter in Ägypten (639 – 1517)

Die Zeitspanne von 639 – 1517 wird von Historikern als Arabisch-Islamisches Mittelalter bezeichnet. Mit dem Niedergang des Römischen Reiches bzw. seiner Nebenreiche begann der Aufstieg des Islams und der Araber, die ab dem 7. Jahrhundert das gesamte Nordafrika sowie einige Teile Europas eroberten. Trotz schwierigster Umstände gelang es den Kopten, sich als Minderheit in Ägypten zu halten und im Verborgenen sogar ihre christlichen Kulturen, Traditionen und Werte zu pflegen. Der Regentschaft durch die Omaijaden und Abbasiden folgte in Ägypten die Zeit der Sultane, die nach der Zersplitterung des Arabischen Weltreichs in Erscheinung traten. Ägypten wurde nun nicht mehr von Damaskus bzw. Bagdad aus regiert, sondern bildete zum Ende dieser Epoche einen selbstständigen Staat, der es unter Sultan Saladin sogar mit den christlichen Kreuzfahrern aus Europa aufnahm.


Osmanische Zeit in Ägypten (1517 – 1805)

Auf die Araber und die Sultane folgte in Ägypten die Zeit als Provinz des Osmanischen Reichs, die am Nil von 1517 – 1805 währte. Die Osmanen kamen von der heutigen Türkei aus über das Mittelmeer nach Ägypten und stellten das Gebiet erstmals in seiner Geschichte unter eine Fremdherrschaft. Regierung und Verwaltung Ägyptens erfolgten unter den Osmanen nicht mehr direkt vor Ort, sondern zentral von Istanbul aus, wobei ein als Statthalter eingesetzter Pascha die entsprechenden Aufgaben übernahm. Das Ende des Osmanischen Reichs kündigte sich durch einen Feldzug des französischen Kaisers Napoleon Bonaparte im Jahr 1798 an und wurde 1805 vollzogen.


Modernes Ägypten (ab 1805)

Nicht nur Napoleons Expedition nach Ägypten, sondern in erster Linie der Pascha Mohammed Ali sorgte dafür, dass Ägypten sich vom Osmanischen Reich lösen konnte. Ägypten gewann in den folgenden Jahren und Jahrzehnten deutlich an politischem und militärischem Profil und konnte sich unter anderem das Gebiet des heutigen Sudan und die Region des Hedschas in Arabien aneignen. Ab dem Jahr 1882 geriet Ägypten jedoch unter die Kontrolle der Briten, die mit der Eröffnung des Suez-Kanals ein besonderes Interesse an Ägypten entwickelten. Erst nach 40 Jahren erlangte Ägypten im Jahr 1922 seine Unabhängigkeit zurück und firmierte bis 1952 als Königreich, das mit dem Sturz von König Faruk I. sein Ende fand. Ein Jahr später riefen General Naguib und Gamal Abdel Nasser die Arabische Republik Ägypten aus, die bis zum heutigen Tag besteht. Auf Gamal Abdel Nasser als ersten Staatspräsidenten von Ägypten folgte Anwar el-Sadat, der einem Attentat zum Opfer fiel und Vorgänger von Hosni Mubarak war, dem aktuellen Staatspräsidenten von Ägypten.