Ägyptische Schriftzeichen mit Hieroglyphen - altägyptischen Sprache

Wird von ägyptischen Schriftzeichen gesprochen, bezieht sich dieser Begriff in der Regel alleine auf die Schreibweise der altägyptischen Sprache, welche etwa von 3200 v. Chr. bis in das Jahr 300 n. Chr. benutzt wurde und deren Zeichen als Hieroglyphen bekannt sind.
Daran anschließend dominierte in Ägypten das Koptische mit seinem eigenständigen, aus einer Kombination von griechischen und traditionellen ägyptischen Zeichen bestehenden, Schriftsystem, ehe Arabisch auch hier als Schriftsprache eingeführt wurde.
Heute werden in Ägypten arabische Schriftzeichen verwendet, der Unterschied zwischen der Standardsprache des Landes Ägyptisch-Arabisch und dem in der Moschee benutzten Hocharabisch zeigt sich so gut wie nicht im Schriftbild, sondern vorwiegend in der jeweiligen Aussprache.

Bei den Hieroglyphen handelt es sich um eine ungewöhnliche Mischung aus einer Bilderschrift mit Konsonanten-Zeichen. Diese können für einen oder für zwei, gelegentlich auch drei, in der Aussprache verbundene Konsonanten stehen, während Vokale nicht bezeichnet werden. Hieraus erklärt sich die stark variierende Aussprache antiker ägyptischer Namen, zumal es anders als etwa im Hebräischen auch keine Hilfszeichen für die Angabe von Vokalbuchstaben gibt und sich erst spät und in einem sehr geringen Umfang der Brauch eingeprägt hat, für einige Vokale ersatzweise ihnen in der Aussprache ähnelnde Konsonantenzeichen zu verwenden. Dies trifft etwa auf die Schreibung eines Zeichens /w/ für den Laut [u] zu.
In späteren Texten sind Vokale möglicherweise bei Fremdwörtern und den Namen ausländischer Städte angedeutet, allerdings sind sich die Forscher bislang über die genauen Gepflogenheiten bei der zu diesem Zweck verwendeten Gruppenschrift uneins.
Für die Aussprache ägyptischer Wörter behelfen sich viele Forscher mit der Einfügung des Vokals [e] an allen Stellen, wo nicht ägyptische Lehnwörter in anderen Sprachen oder eindeutig bekannte koptische Begriffe auf einen anderen Vokalbestand schließen lassen. Diese Entscheidungen werden an den verschiedenen Universitäten jedoch sehr unterschiedlich getroffen.

Bei den Hieroglyphen lassen sich zwei unterschiedliche Systeme erkennen. Zum einen die klassische Hieroglyphen-Schrift und zum anderen die hieratische Schrift, bei der es sich um eine vereinfachte und kursive Vairante handelt, die vor allem bei der Verwendung von Papyrus und Binsen Anwendung findet. Diese Schrift wird schnell geschrieben, sodass die Buchstaben ineinander übergehen und die Ähnlichkeit mit der eigentlichen Hieroglyphenschrift immer weniger erkennbar wird. Grundsätzlich ist es möglich, von einer Druck- und einer Schreibschrift zu sprechen; allerdings wird im Laufe der Zeit die "Schreibschrift" (die hieratische Schrift) auf den religiösen Bereich beschränkt.
Etwa um 650 v. Chr. entwickelt sich als Volks- und Kanzleischrift die demotische Variante, welche schon starke Abweichungen von den ursprünglichen Hieroglyphen zeigt und später teilweise vom Koptischen weitergenutzt wird.
Die Anzahl der Schriftzeichen bei den Hieroglyphen beträgt in ihrer Blütezeit etwa 7000 Zeichen, die sich aus ursprünglichen 700 Zeichen entwickelt haben.

Die Schriftrichtung ist eigentlich von oben nach unten und sekundär von rechts nach links, wobei einen Sinnzusammenhang bildende Zeichen zu Blöcken zusammengefasst werden. Bei Bedarf kann aus Platzgründen oder wegen der künstlerischen Gestaltung jederzeit von der eigentlichen Schriftrichtung abgewichen werden.
Das gleiche Zeichen kann sowohl ein Phonogramm, im konkreten Fall also einen Konsonanten oder eine aus zwei oder drei Konsonanten bestehende Gruppe, als auch ein Ideogramm, also eine bildliche Darstellung für ein Wort oder einen Wortstamm, darstellen. Zwei- und Dreikonsonanten-Zeichen lassen sich auch anwenden, wenn zwischen ihren Bestandteilen ein Vokal gesprochen wird. Als dritte Funktion ist die des Determinativen zu nennen. Das Zeichen erklärt in diesem Fall ein anderes Zeichen genauer, so kann Ruhe ebenso durch ein Determinativ angegeben werden wie eine Bewegungsrichtung. Bei mehrdeutigen Zeichen ist die jeweils gültige Verwendung alleine aus dem Kontext erschließbar. Ebenfalls durch ein bestimmendes Zeichen verwandelbar ist das Schriftzeichen für Sonne in das Zeichen für den altägyptischen Sonnengott Re. Eine weitere Form, die Namen von Göttern oder Königen zu bezeichnen, stellt bei den Hieroglyphen eine Schleife um das Wort dar. Einige Zeichen, vor allem das Sonnenzeichen, werden in Texten altägyptischer Schrift gerne vorangestellt, auch wenn sie erst am Ende eines Wortes ausgesprochen werden. Damit soll Respekt ausgedrückt werden.
Zeichen, die für eine Verbindung aus mehreren Konsonanten stehen, sind in wenigen Fällen nicht eindeutig; dann kann die jeweils richtige Aussprache aus dem Kontext, in dem das Zeichen steht, erschlossen werden.

Ein weitere Besonderheit, die vornehmlich in religiösen Texten auftaucht, ist das Weglassen von Zeichen, die Lebewesen bedeuten. Alternativ können sie auch durch ein universal geltendes Ersatzzeichen ersetzt werden.

Für Zahlen kennt die Hieroglyphenschrift ein System, in welchem die jeweiligen Zehnerpotenzen (1, 10, 100 usw.)ein eigenes Zeichen erhalten und andere Zahlen durch eine Kombination aus ihnen geschrieben werden.