Der ägyptische Film

Wer sich bei der Bewertung der Bedeutung des ägyptischen Films ausschließlich von den Produktionszahlen leiten lässt, kommt leicht zu unzutreffenden Schlussfolgerungen. So wurden im Jahr 1975 neunundvierzig und im Jahr 1985 fünfundsiebzig Kinofilme in Ägypten produziert. 1985 sank dieses Zahl auf dreizehn und stieg 2005 wieder auf dreiundzwanzig an. Die ägyptische Filmindustrie hat jedoch eine gegenüber diesen Zahlen wesentlich größere Bedeutung, zumal ausschließlich für das Fernsehen produzierte Beiträge ebenfalls zu berücksichtigen sind. Inzwischen werden jährlich wieder etwa vierzig Kinofilme gedreht.
Tatsächlich heißt ein Filmstudio in Ägypten Kairowood.
Filmschaffende werden in der Filmhochschule zu Kairo ausgebildet.

Ägyptische Filme werden im gesamten arabischen Raum ausgestrahlt
Die ägyptische Film- und Fernseh-Industrie erstellt die meisten Filme im gesamten arabischen Raum. Dabei werden die Filme auf Ägyptisch-Arabisch gedreht. Die unterschiedlichen arabischen Dialekte sind für die meisten Sprecher eines beliebigen Dialektes weitgehend verständlich, so dass die ägyptischen Filme ohne Untertitel in ihrer Originalsprache im gesamten arabischen Sprachgebiet gezeigt werden. Das hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass besonders junge Menschen nicht mehr Hocharabisch als Kommunikationssprache zwischen Arabern aus unterschiedlichen Ländern verwenden, sondern dass bei ihnen Ägyptisch-Arabisch als "Koine" (Ausgleichssprache, die Sprecher unterschiedlicher Dialekte verwenden) fungiert.

Zensur
Ägyptische Filme unterliegen der Zensur. Dabei wird in erster Linie darauf geachtet, dass die gezeigten Szenen nicht zu freizügig sind. In islamistischen Ländern wie dem Iran gilt die ägyptische Zensur jedoch als zu lasch, da sie Sexszenen beanstandet, während sie nicht bei jedem Stück sichtbarer Haut einschreitet.
Die gemäßigte Zensur hat Absolventen der Filmhochschule in Kairo ermutigt, in ihren Abschlussarbeiten religiöse Themen satirisch zu verarbeiten. Ihre Filme durften gezeigt werden.

Antisemitismus und Antiisraelismus im ägyptischen Film
Mit großem Erschrecken wurde bei einigen Produktionen festgestellt, dass diese offen antisemitische und antiisraelische Vorurteile verbreiten. Derartige Filme sind in arabischen Nachbarstaaten durchaus beliebt, für Ägypten sind sie jedoch überraschend und schockierend, zumal sich das Land politisch als mit Israel verbunden betrachtet. Es ist zu wünschen, dass Seitenhiebe und feindliche Äußerungen gegenüber Juden und Israel künftig unterbleiben werden.

Aktuelle Situation
Gegenwärtig sind Kurzfilme und Komödien die bevorzugt in Ägypten produzierten Filmgattungen. Die Filme aus einheimischer Produktion spielen an der Kinokasse etwa das das Fünffache gegenüber Importen aus Amerika ein. Die Regisseure der Gegenwart lassen sich vom europäischen und vom amerikanischen Film inspirieren.
Die meisten Filme können in Ägypten mt eigenen finanziellen Mitteln gedreht werden.

Ägyptische Filme in deutschen Kinos
In deutschen Kinos werden ägyptische Filme bislang selten gezeigt. Sie laufen gelegentlich auf Festivals oder in Programmkinos.